Alexa für Business: Geniale Technologie oder ein Sicherheits-Albtraum?

05/07/2018Lesezeit 5 Minuten

Sollten Sie Ihr IT-Netzwerk um eine smarte Technologie der nächsten Generation erweitern? In jedem Fall sollten Sie diese gründlich überprüfen, bevor Sie sie in Ihre IT-Umgebung einbinden. Schließlich gibt es bereits genug Sicherheitslücken, mit denen Sie täglich kämpfen müssen, und die Wahl einer ungesicherten Lösung kann zusätzlich kostbare Zeit und Ressourcen beanspruchen.

Beispielsweise Alexa für Business. Als Amazon die Einführung der Office-Version von Alexa ankündigte, war die Technikwelt vor Begeisterung kaum zu halten. Jordan Crook von TechCrunch schrieb sogar: „Die Mensch-Maschine-Schnittstelle entwickelt sich weiter.“ Alle Welt glaubte für einen kurzen Moment, dass die Tage der Apps und Bildschirme gezählt wären und dass 2018 das Zeitalter der Sprachbefehle beginnt. Aber ist Alexa für Business wirklich besser als die Consumerversion von Alexa oder reiben sich die Hacker schon voller Vorfreude die Hände?

Alexa und Alexa für Business im Vergleich

Amazon Alexa unterstützt mehrere Geräte, und die User können diese Geräte mit einem Wort aufwecken, um Musik abzuspielen, Merklisten zu erstellen, den Wetterbericht und die Verkehrslage abzufragen sowie Weckzeiten einstellen und andere smarte Heimgeräte zu steuern. Alexa für Business unterstützt dieselben Geräte, wobei für die Nutzung zusätzliche monatliche Abonnementgebühren anfallen. Es gibt zwar Integrationen über die Partnerschaften von AWS mit Unternehmen wie Microsoft, Salesforce und Splunk, aber eigentlich handelt es sich eher um ein „Home plus“-Angebot, als um ein völlig neues eigenständiges Produkt.

Das hier ist neu:

  • Die IT-Abteilung kann zwar „Business-Administratoren“, Fähigkeiten, User sowie persönliche und gemeinsame Geräte bestimmen, doch die Administratoren können nicht auf die erfolgten Aufnahmen zugreifen.
  • Wenn Sie bereits privat Alexa-Power-User sind, können Sie Ihre persönlichen und geschäftlichen Verträge zusammenlegen, um Ihre vorhandenen Einstellungen beizubehalten.
  • Alexa für Business bietet einige vorinstallierte Funktionen, wie Konferenzgespräche und Terminplanung.
  • Es gibt viele Möglichkeiten für Entwickler, einschließlich API-Zugriff.

Was haben Sie davon?

Laut der Online-Publishing-Seite Medium haben Wissenschaftler herausgefunden, dass ein Büroangestellter durchschnittlich 4,5 Stunden pro Woche nur mit der Suche nach Dokumenten verbringt. Ist Alexa für Business eine Lösung für Ihre Produktivitätsprobleme? Wahrscheinlich nicht. Insbesondere, da Alexa Ihnen nicht bei der Suche nach Dateien helfen kann. Amazons Alexa kann nicht alle nötigen Aufgaben für Sie erledigen, es sei denn, Ihre Mitarbeiter sind in erster Linie mit Telefonkonferenzen und Terminplanung beschäftigt. Sie könnten mit Alexa aber sehr viel mehr erreichen, wenn Sie erfahrene Entwickler in Ihrem Team haben, die nicht ausgelastet sind, oder wenn Sie geduldig genug sind abzuwarten. Doch wie sieht es mit der Lernkurve aus? Sofern Ihre Mitarbeiter Alexa nicht bereits privat nutzen, müssen die Geräte erst eingerichtet und die Mitarbeiter geschult werden.

Amazons Alexa kann zwar kleinere Produktivitätssteigerungen ermöglichen, aber wieviel Zeit nehmen Telefonkonferenzen oder Kalendereinträge schon in Anspruch? Inwieweit Sie davon profitieren, hängt letztlich von Ihren Benutzern, den Entwicklungsressourcen und den Anwendungsfällen ab. Für viele Unternehmen bietet sich zur Steigerung der Produktivität eher ein KI-gestützter Chatbot an. Dieser kann dann Dateien wie etwa Butter.ai auffinden.

Denken Sie an die Datensicherheit

Laut Amazon nimmt Alexa nicht immer alles auf, hört aber immer zu. Diese Geräte sind immer an und warten auf Ihre Sprachbefehle. Diese Sprachbefehle sowie ein paar Sekunden vorher und nachher werden verschlüsselt in der Cloud für unbestimmte Zeit gespeichert. Laut Brian Barrett von Wired können diese Aufnahmen zumindest manuell über die App gelöscht werden.

Doch Aufnahmen von einem Amazon Echo wurden Ende 2016 auch in einem Mordprozess in den USA verwendet. Es ist zwar nicht ganz klar, was Alexa in dieser Nacht gehört hat oder welche Daten von der Polizei abgerufen wurden, aber laut einem Bericht wurde das Gerät in der betreffenden Nacht zum Abspielen von Musik verwendet und die Polizei erhielt mit richterlicher Anordnung Zugriff auf die Cloud-Daten. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass ein virtueller persönlicher Assistent für den Einsatz am Arbeitsplatz jemanden in Ihrem Unternehmen wegen Mordes anklagt, doch sind diese smarten Technologien eine Quelle potenziell gefährdeter Daten, die in der Cloud gespeichert sind.

Bewerten Sie die Sicherheitslücken von Alexa

Das vergangene Jahr war – vorsichtig formuliert – nicht gerade ein Glanzjahr für Alexas Sicherheit. Im August 2017 meldete der Sicherheitsforscher Mark Barnes eine physische Sicherheitslücke bei den Echo-Geräten, die vor 2017 hergestellt wurden. Diese Lücke ermöglichte es jedem Benutzer mit Lötkenntnissen einen großangelegten Lauschangriff zu starten.

Und im September 2017 fanden chinesische Forscher der Zhejiang-Universität heraus, wie man Alexa und andere Sprachassistenten mit Ultraschallfrequenzbefehlen angreift,die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Alles, was man für diese „DolphinAttack„-Methode braucht, ist Material im Wert von nicht einmal drei Euro und einige Manipulationen an einem Smartphone. Zwar hängt der Erfolg der Methode derzeit von einer Entfernung von höchstens 180 Zentimeter ab, doch den Forschern ist es gelungen, das Navigationssystem eines Audi Q3 zu hacken und per Sprachfehl die Heckklappe zu öffnen.

Ein Bericht von Symantec aus dem Jahr 2017 zu virtuellen Assistenten für private User kam zu sehr ambivalenten Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Sicherheitsschwachstellen von Alexa:

  • Die gute Nachricht zuerst: Eine Masseninfektion durch Malware ist unwahrscheinlich, da die Geräte nicht direkt mit dem Internet verbunden sind.
  • Die schlechte Nachricht zuletzt: Obwohl die meisten bekannten Hacks die Nähe zu einem Gerät erfordern, gibt es zahlreiche andere potenzielle Sicherheitsprobleme, einschließlich Cloud-Datenlecks.

Entscheiden Sie, ob sich die Einbindung dieser smarten Technologie lohnt

Alexa für Business ist ein weiteres Endgerät in Ihrem Netzwerk. Als IT-Experte müssen Sie Risiken und Chancen abwägen. So muss eine neue Schwachstelle mit Vorteilen wie etwa Produktivitätssteigerungen einhergehen, damit sich das Risiko lohnt. Einige Endgeräte verfügen zwar über vorinstallierte Sicherheitsfunktionen und die Möglichkeit zur Überwachung auf Angriffe und zur automatischen Fehlerbehebung, aber Alexa für Business ist nicht speziell auf Sicherheit ausgelegt.

Wenn Sie nach einem sicheren KI-Assistenten suchen, der Ihre Arbeit direkt nach dem Auspacken erleichtert, sollten Sie vielleicht auf andere Optionen oder künftige Entwicklungen warten. Sollten Sie aber bereits Alexa-Power-User mit einem ordentlichen persönlichen Account sein und gleichzeitig in einem Job arbeiten, bei dem Sie viel telefonieren und eine Menge Termine planen müssen, dann ist diese smarte Technologie vielleicht genau das Richtige für Sie.

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